Mit einer eiskalten Cola warten wir am Bahnhof von Ayutthaya, während die Straßenhunde bei der Hitze im Wind eines Ventilators liegen und vor sich hin dösen. Wir warten auf unseren Zug, der uns nach Pak Chong bringen soll, denn wir haben im Khao Yai Nationalpark in Thailand zwei Ausflüge mit einem lokalen Guide organisiert. Heute Abend werden wir noch Millionen von Fledermäuse am Himmel beobachten. Am nächsten Tag wird es dann für eine Parksafari in den Dschungel gehen.

Unser Gepäck steht vor uns, während wir im Schatten auf einer Bank sitzen und die Arbeiter bei Bauarbeiten am Gleisbett beobachten. Gerade wird eine kleine Holzbrücke zu unserem Gleis in Richtung Pak Chong weggenommen und durch eine neue ersetzt. Naja, Brücke kann man nicht wirklich sagen, zwei schmale Holzplanken trifft es wohl eher. Die Menschen gehen nun selbstverständlich über diese neue, wackelige Konstruktion, ohne murren. Nun gut, willkommen in Thailand 🙂

Der Bahnhof in AyutthayaBauarbeiten am Gleis

Ankunft in Pak Chong & unsere Unterkunft

Mit einer Stunde Verspätung trifft unser Zug ein und wir bugsieren unser Reisegepäck in den Zug. Dem Zugbegleiter zeigen wir unsere Fahrkarten und Pässe, dann genießen wir die zweistündige Fahrt. Als wir in Pak Chong ankommen, gehen wir davon aus, mit einem Taxi zu unserer Unterkunft zu fahren. Es warten aber bereits ein Mitarbeiter der Unterkunft mit seiner Frau und Kind auf uns, die uns herzlich empfangen. Der Pick-Up, mit dem wir abgeholt werden, hat auf der Ladefläche auf jeder Längsseite zwei Sitzbänke. Unser Gepäck kommt in die Mitte und wir steigen ein. Festhalten und schon geht sie los, unsere 20-minütige Fahrt auf der Ladefläche zur Unterkunft. Der Gegenwind ist bei den derzeitigen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit wirklich erfrischend.

Unsere Unterkunft, das Khaoyai Nature Life Resort, ist abseits der Hauptstraße recht einsam gelegen. Irgendwie wahnsinnig gemütlich und schön anzusehen. Es gibt ein offenes Restaurant und das Gelände ist sauber und gepflegt. Unser Bungalow ist in Betonoptik und großzügig gehalten. Sogar mit einer eigenen Dusche im Freien und mit einem Pool direkt vor der Haustür. Nach der Ankunft am Bungalow haben wir etwas Zeit, bevor es am Nachmittag auf zum Abenteuer „Fledermaus-Beobachtung“ geht.

Auf dem Weg zu unserer UnterkunftUnsere Unterkunft

Wir treffen unseren Guide für den Nationalpark in Thailand

Unseren Guide treffen wir am Parkplatz der Unterkunft. Er hat lange Rastalocken und trägt eine Wollmütze. Ok, Wollmütze bei den Temperaturen ist jetzt nicht so naheliegend, aber er wird schon wissen, was er tut. Andere Gäste haben diese Tour heute nicht gebucht, daher bleiben wir mit dem Guide und dem Fahrer allein. Nicht schlecht, so wird die eigentliche Gruppen-Tour zur Privat-Tour.

Bei der abendlichen Tour sollen wir hunderte von Fledermäusen sehen, die aus einer Höhle fliegen. In der Beschreibung des deutschen Anbieters heißt es: „Keine Sorge, Sie werden nicht in die Höhle hineingehen.“ Das beruhigt mich ungemein. Niemals würde ich in eine Fledermaushöhle gehen!

Unser Guide erzählt etwas von buddhistischen Tempeln in einer Höhle und Fledermäusen, die wir später am Himmel sehen werden. So ganz werden Tobi und ich nicht aus ihm schlau und wissen nicht so ganz, was wir nun genau machen. Aber wir sind in Thailand, manche Dinge ergeben sich halt einfach, alles easy. Wir steigen auf die Ladefläche des Pick-Ups und los geht es!

Sind wir in der Fledermaushöhle?

Nach ca. 20 Minuten Fahrt kommen wir an einem Parkplatz an und unser Guide drückt uns jedem eine Taschenlampe in die Hand. Hmm, Taschenlampe? Es geht doch gar nicht in die Höhle. Die Batterien sind fast leer und die Lampen leuchten daher nur so halbwegs gut. Wir gehen dem Guide hinterher, unseren Fahrer im Schlepptau, und steigen eine Treppe hinab.

Er geht voran und sagt wieder die Wörter „Cave Temple“. Cave? Höhle? Wie? Es geht immer tiefer hinab. Die Luft wird merklich kühler. Das Tageslicht verschwindet immer weiter. Wir landen in einer riesigen, dunklen Höhle. Die Taschenlampen brauchen wir hier unten wirklich. Unser Guide geht los und wir nichts ahnend hinterher.

Im Taschenlampenlicht sehen wir einen mit Plastikblumen geschmückten Tempel, mitten in der Höhle, nur vom Licht der Taschenlampe erleuchtet. Das ist schon ein bisschen unheimlich. An der Höhlendecke fallen mir hier und da ein paar Fledermäuse auf. „Sicherlich kommt das vor, wenn es hier in der Gegend so viele Fledermäuse gibt“, rede ich mir gut zu. Als wir immer weiter in die Höhle vordringen und ich den Ausgang nicht mehr sehen kann, wird mir allmählich klar: Wir befinden uns IN der Fledermaushöhle!

Die Höhle oder die Hölle?

Mittlerweile gibt es an der Höhlendecke keinen freien Zentimeter, an dem kein Tier hängt. Unser Guide fängt endlich wieder an zu reden und teilt uns mit, dass die Fledermäuse um 17.30 Uhr hier aus der Höhle fliegen. In meinem Kopf überschlägt sich so einiges. Wieso genau um 17.30 Uhr? Woher wissen die Tiere denn genau, wann 17.30 Uhr ist? Und wieso sind wir um 17 Uhr in einer Höhle voller Fledermäuse? Noch 30 Minuten bis Millionen von Fledermäusen über meinem Kopf diese Höhle verlassen?!?

Wir kriechen mittlerweile durch einen kleinen Zwischengang in die nächste Höhle. Es ist so eng, dass der Rucksack an der Decke kratzt. Puh! Als wir wieder aufrecht stehen, teilt uns unser Guide mit, dass über uns 2 Millionen Fledermäuse hängen und man hier unten manchmal auch Pythons zu Gesicht bekommt. Vielen Dank auch für diese Informationen! Innerlich bin ich bereits bis hierhin tausend Tode gestorben, dazu brauche ich jetzt nicht auch noch Pythons! 🙂

Unsere Höllen…äh Höhlentour neigt sich dem Ende. Doch nicht, bevor unser Fahrer noch eine riesige Spinne von einem Felsvorsprung locken muss. Der Guide und Tobi machen Fotos, während ich zum Ausgang eile und die Treppe zum Tageslicht hinaufsteige.

Fledermäuse in der Batcave im Nationalpark ThailandNatürlich läuft uns noch eine Spinne über den Weg

Die Fledermäuse verlassen die Höhle

Wir fahren zu einem großen freien Feld und beobachten gespannt den Abendhimmel. Unser Fahrer öffnet die mitgebrachten Kühlbehälter und serviert uns frische Ananas, Papaya und Melone, als plötzlich am Himmel Fledermäuse auftauchen. Aus einem Loch in einer Felswand strömen etliche Fledermäuse heraus. Der Wind trägt die Fledermäuse weit davon und wir können sogar die Fluggeräusche hören. Kein Wunder, es sind Millionen Tiere!

Wir stehen über 30 Minuten auf dem Feld und beobachten den nicht enden wollenden Schwarm. Ohne Unterbrechung verlassen immer neue Fledermäuse die Höhle, um im Tal Insekten zu erbeuten. Es ist großartig, dieses Schauspiel zu beobachten. Niemals hätten Tobi und ich uns vorstellen können, wie unglaublich faszinierend dieses Erlebnis ist, den Fledermäusen dabei zu zuschauen, wie sie in den Nachthimmel fliegen.

Auf diesem Feld stehen wir und beobachten die FledermäuseMillionen von Fledermäusen im Nationalpark in Thailand

Hätte ich vorher gewusst, was mich in der Höhle erwartet, dann hätten mich keine zehn Pferde zu diesem Ausflug gebracht. Dann hätte ich aber auch nicht dieses Schauspiel sehen können, was wirklich beeindruckend ist. Ich bin daher wirklich glücklich darüber, dass ich nicht gewusst habe, was auf mich zukommt, denn auch der Besuch in der Höhle hat sich im Nachhinein wirklich gelohnt. Es war eine unbeschreibliche Erfahrung und es hat mich für die Zukunft auch etwas unempfindlicher gemacht. Letztendlich war es auch ehrlich gesagt nicht so schlimm und ich bin froh über dieses Tier-Erlebnis!

Infos zu diesem Abenteuer

Tour-Anbieter: Khao Yai Nature Life & Tours

Unterkunft: Khao Yai Nature Life & Tours

Hier liegt der Khao Yai Nationalpark:

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