Den Cheetahs, wie die Geparden in Namibia genannt werden, kommen wir auf der Otjitotongwe Cheetah Guest Farm zum Anfassen nah. Es ist ein mulmiges und intensives Gefühl, diesem schnellen Jäger so nah zu sein. Über unsere Erfahrungen und Eindrücke von der Cheetah Farm in Namibia berichten wir in diesem Artikel.

Ein Gepard auf einer Farm in NamibiaDie Geparden im Wildgehege sind Menschen aber keinen Körperkontakt gewöhnt

Die Cheetah Farm

Auf dem Weg von der Spitzkoppe zum Etosha Nationalpark verbringen wir einen Zwischenstopp auf einer Cheetah Farm. Die Farm liegt im Nordwesten Namibias, in der Nähe von Kamanjab. Wir verbringen hier eine Nacht und nutzen die Möglichkeit, das Projekt zum Schutz der Cheetahs der Familie Nel zu besuchen.

Die Farm nimmt verletzte und vor allem sogenannte „Problem“-Geparden im Wildgehege auf. Zusätzlich leben im Garten der Familie zurzeit drei zahme Cheetahs.

Als wir auf dem Farmgelände ankommen, stehen wir vor einem hohen Zaun. Am Tor ist ein Schild angebracht, welches vor dem Betreten des Bereichs dahinter warnt. Mit uns wartet ein niederländisches Paar, das sich ebenfalls im Voraus angemeldet hat. Nach über einer Stunde Wartezeit am Auto werden wir von den Farm-Mitarbeitern bemerkt und zur Campsite gebracht.

Die Campsite ist einfach gehalten. Es gibt aber einen Grillplatz, ein Waschhaus und einen Pool. Den Pool haben wir allerdings nicht gesehen. Dafür haben wir keine Zeit, denn unsere Führung über die Cheetah Farm geht los!

Die Campsite der Otjitotongwe Cheetah FarmAuf der Campiste begnet uns eine Schildkröte

Die handzahmen Cheetahs

Mit dem Geländewagen werden wir vom Farmer abgeholt. Wir klettern auf die offene Ladefläche des Wagens und fahren zum Farmhaus. Vor dem hohen Zaun mit dem Warnschild halten wir an und sehen jetzt drei Cheetahs hinter dem Zaun sitzen.

Wir bekommen eine Einweisung, wie wir uns zu verhalten haben. Unsere Sonnenbrillen sollen wir abnehmen, da die Reflexion die Tiere irritieren könnte. Außerdem sollen wir die Geparden nicht abwärts der Hüfte berühren, da die Tiere das nicht immer dulden. Wir kommen uns vor wie Lebendfutter, als wir tatsächlich zu den Geparden durch das Tor gelassen werden.

Der Farmer erzählt allerlei zum Schutz der Geparden und über die Schwierigkeiten, mit denen die Familie in Namibia konfrontiert ist. Währenddessen schnurren die Geparden wie Hauskatzen und haben Tobi in Beschlag genommen. Ausgiebig lecken zwei der Tiere seine Beine mit der Zunge ab, die rau wie Reibeisen ist. Tobi beschließt nach kurzer Zeit, dass dann doch genug an seinen Beinen geleckt wurde. Aber einfach über eins der Tiere steigen oder das Bein wegziehen?! Nein, dann doch lieber aushalten…

Die drei zahmen Geparden sind den Kontakt zum Menschen gewöhnt und wurden mit der Flasche aufgezogen. Der Jack Russel Terrier sowie der kleine Sohn der Familie befinden sich ebenfalls im Garten. Besonders die Beziehung zwischen dem Hund und den Cheetahs fasziniert uns. Der deutlich kleinere Hund scheint sich in der Umgebung der drei Geparden keineswegs unsicher zu fühlen.

Der Farmer erzählt uns, dass der Tierschutz in Namibia sehr teuer ist. Das Fleisch für die Geparden, das Einzäunen des riesigen Farmgeländes sowie die Instandhaltungskosten dafür verschlingen große Summen Geld. Finanziert wird das Ganze somit größtenteils durch Gäste wie uns, die die Geparden beobachten wollen und auf dem Farmgelände übernachten.

Das Wildgehege

Auf der offenen Ladefläche fahren wir in das Gehege zu den wilder lebenden Cheetahs. Mit auf der Ladefläche steht eine Tonne mit frischem Zebra-Fleisch. Die Tiere können sich innerhalb des Geheges frei bewegen, werden jedoch gefüttert. Die Geparden wissen genau, dass Fütterungszeit ist und so verfolgen bereits einige Tiere das Fahrzeug. Wir umrunden einmal das riesige Gelände und halten dann irgendwann an. Die Geparden beginnen sich um das Fahrzeug zu versammeln, als der Farmer aussteigt und anfängt, den Wildkatzen die Fleischstücke zuzuwerfen. Wir stehen auf der Ladefläche und können währenddessen die Tiere beobachten.

Wir umrunden das GehegeNach und nach versammeln sich alle Tiere um das Auto

Die Geparden in diesem Gehege zeigen eine ganz andere Körpersprache als die Handaufzuchten im Garten. Sie kennen zwar die Nähe des Menschen, wirken aber deutlich wilder und kennen keinen Körperkontakt. Bei diesen Geparden handelt es sich um die sogenannten „Problem“-Tiere. Dieser Name ist etwas irritierend, denn Probleme machen die Geparden schließlich nur in den Augen des Menschen. Hierbei handelt es sich um Tiere, die auf Farmgelände gesichtet wurden oder bereits Vieh von Farmern getötet haben. Solche Geparden werden oftmals geschossen oder zu der Familie Nel gebracht, wo sie dann in einem Wildgehege leben.

Nach und nach haben alle Geparden ein Fleischstück ergattert und sich mit ihrem Stück in sicherer Entfernung zu einander zum Fressen zurück gezogen. Noch ein paar Minuten beobachten wir die Tiere beim Fressen, dann ziehen wir uns zurück und lassen die Geparden wieder allein.

Ein Cheetah ganz nah am FahrzeugEin Cheetah im WildgehegeIn Namibia gibt es die weltweit größte Geparden-PopulationDie Tiere wissen genau das Fütterungszeit istDer Farmer beginnt die Fleischstücke zu werfenDer schnellere gewinnt das begehrte Stück

Unser Eindruck nach dem Besuch der Cheetah Farm

In Namibia lebt die weltweit größte Geparden-Population mit ca. 2.500 Tieren. Das offene und hohe Grasland sowie die fast baumlosen Regionen sind für das Savannen- und Steppentier der ideale Lebensraum. Hier kann der Gepard seine Schnelligkeit perfekt für die Jagd nutzen.

Da weite Teile Namibias aber gleichzeitig auch Farmland ausmachen, kollidiert der Lebensraum der Geparden unweigerlich mit dem der Viehzüchter. Hin und wieder kommt es vor, dass Geparden Ziegen oder Kälber reißen. Das führt zu Konflikten und so ist der Gepard in großen Teilen Namibias kein gern gesehener Gast. Um ihre Nutztiere zu schützen, sehen die Farmer oft keinen anderen Ausweg, als die Geparden zu erschiessen.

Bis zu unserem Besuch auf der Cheetah Farm in Namibia ist uns nicht bewusst, dass die Tiere manchmal dauerhaft im Wildgehege leben und die meisten Tiere nicht wieder ausgewildert werden. Denn wohin sollen die Tiere gebracht werden?

In Freiheit sind die Tiere selbstverständlich am besten aufgehoben, doch dort ist ihr Leben durch das Abschießen der Farmer bedroht. In den Wildgehegen der Farmen-Betreiber, die sich zum Schutz der Wildkatzen ausgesprochen haben, ist ihr Überleben gesichert, aber sie leben nicht in Freiheit. Der Lebensraum der Cheetahs in Namibia ist bedroht.

Wir denken, es ist zu kurz gedacht, mit dem Finger auf den „bösen“ Farmer zu zeigen. Für die Farmer ist das wertvolle Vieh und das Farmland die Lebensgrundlage, die die eigene Familie ernährt. Ähnliche Diskussionen kennen wir mittlerweile auch aus Deutschland, wo sich der Wolf wieder angesiedelt hat. Eine Veränderung der Denkweise zum Schutz der Wildtiere kann vermutlich nur mit mehr Wissen über das Verhalten und Studien über die Lebensweise der Tiere voran getrieben werden.

Uns hat der Besuch auf der Cheetah Farm mehr als deutlich gemacht, dass auch in einem so dünn besiedelten Land, in dem man größtenteils Wildnis vermutet, der Mensch längst seine tiefen Spuren hinterlassen hat.

Ob man eine Cheetah Farm besucht und unterstützt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Wie stehst du zu diesem Thema? Warst du vielleicht auch schon mal auf einer ähnlichen Farm, die sich für den Schutz der Tiere einsetzt? Erzähl uns gerne in den Kommentaren davon.

Info

Eine Übernachtung auf der Campsite inklusive der Besucher-Tour kostet 375 NAD (25 EUR) pro Person. Die Übernachtung kannst du hier buchen.

Hier liegt die Otjitotongwe Cheetah Guest Farm:

 

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