Als wir zum Olympic Nationalpark fahren, entscheiden wir uns in den Olympic Mountains – genauer gesagt an der Hurricane Ridge – wandern zu gehen. Wir fahren zum Parkplatz und ziehen uns warm an. Los geht es auf dem Sunrise Trail zum Sunrise Point. Wir werden belohnt mit vielen schönen Aussichten und einem atemberaubenden Sonnenuntergang. Und nicht nur das. Wir bekommen Besuch von einer Bergziegen-Familie, die entspannt direkt neben uns im warmen Licht der Sonne grast und uns das Geschehen beobachten lässt. Was für ein toller Moment!

Aber der Reihe nach…

Olympic Nationalpark

Wir fahren direkt von Seattle zum Olympic Nationalpark, bevor es dann mit der Fähre von Port Angeles nach Kanada gehen soll. Der Olympic Nationalpark wurde 1938 gegründet und liegt auf einer Halbinsel südlich von Vancouver Island im Bundesstaat Washington und gehört seit 1981 zum UNESCO Weltnaturerbe.

Besonders spannend ist der Nationalpark, da er eigentlich aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen besteht: Einmal dem Strandabschnitt, der eher wild und oft in Nebel gehüllt ist und andererseits die Gebirgsregion um die Olympic Mountains mit einem gemäßigten Regenwald, der neben Alaska und Hawaii zu den regenreichsten Punkten der USA zählt.

Straßen im Olympic Nationalpark

Wir entscheiden uns für die Gebirgsregion, in der wir auch campen wollen. Der Deer Park Campground soll eigentlich unser Lager für die heutige Nacht sein, doch es kommt leider etwas anders: Der kleine Campingplatz hat nur 10 Plätze, die sehr schön und mit ausreichend Abstand voneinander in der Natur liegen. Ein wirklich empfehlenswerter Ort, um die Nacht jenseits von fließend Wasser und Strom zu verbringen.

Doch an dieses Wochenende folgt der Labour Day am Montag, an dem alle Amerikaner frei haben. Entsprechend voll ist es dort. Wir bekommen an diesem Tag leider keinen Platz mehr – auch nicht bei anderen Campingplätzen. Wohl oder übel müssen wir das letzte Zimmer in einem Motel in Port Angeles nehmen. So what. Wir schmeißen unsere Sachen in das Zimmer und dann geht es erstmal zur Hurricane Ridge, also ab in die Natur!

Hurricane Ridge im Olympic Nationalpark

Die Hurricane Ridge ist ein Gebiet in den Olympic Mountains, das über eine Straße von Port Angeles erreicht werden kann. Das Gebiet ist ideal zum Wandern oder auch zum Ski-Fahren oder Snowboarding. Der höchste Teil des Gebiets ist ca 1.600m hoch und kann das gesamte Jahr besucht werden. Im Sommer kommen Besucher vor allem, um die schöne Ausblicke von den Olympic Mountains beim Wandern zu genießen.

Wir zahlen 30 USD für den Eintritt beim National Park Service und können den gesamten Nachmittag/Abend dort verbringen. Am Hurricane Ridge Viewpoint gibt es einen großen Parkplatz, von dem aus man bereits eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge und Täler hat. Wer dabei nicht stehen mag, kann auch die Picknick-Plätze nutzen und bei einer kräftigen Stulle den Ausblick genießen.

Von hier aus starten einige Wanderwege. Wir entscheiden uns den überschaubaren Weg zum Sunrise Point zu nehmen. Es ist schon spät und wir wollen gerne den Sonnenuntergang sehen und genießen!

Bergziegen am Sunrise Point

Also wandern wir den Weg entlang. Das Licht ist schon jetzt wunderschön und wird von Schritt zu Schritt immer wärmer. Wir merken dennoch, wie es langsam merklich frischer wird. So schnell, wie wir die Kälte plötzlich merken, vergessen wir sie aber auch direkt wieder, denn die Landschaft zieht uns vollkommen in ihren Bann. Dieses Licht, diese Berge, die Wolken im Hang und dann der Kontrast zum strahlend blauen Himmel – einfach unbeschreiblich.

Ausblick am Hurricane Ridge

Es geht ein wenig bergauf, aber der Anstieg und die Distanz von 1,4 Meilen (ca. 2,3 Km) sind durchaus machbar. Wir bleiben immer wieder für eine Zeit stehen und schauen in die Ferne. Nach der ersten Frustration über den nicht bekommenen Campingplatz für die Nacht und das verhältnismäßig teure Motel kommen wir bei diesem Anblick schnell darüber hinweg. Schaut es euch an: Das Licht, die Wolken zwischen den Bergen und die Tannen, die wie ein Scherenschnitt im Gegenlicht wirken, machen alles wieder wett.

Als wir nun nach vielen Stopps am Aussichtspunkt ankommen, stellen wir schnell fest, dass wir nicht alleine sind. Wir hören es im Busch knacken und knistern. Und was da so weiß ist, ist sicher kein Schnee. Wir sehen plötzlich Hörner. Es sind Bergziegen!

Haben wir unten am Berg noch gelesen, dass wir einen deutlichen Abstand zu Bergziegen halten sollen, da diese aktuell vermehrt aggressiv sind, können wir davon dort oben nichts spüren. Wir halten natürlich Abstand, respektieren die Tiere und gehen für die Fotos in die Hocke, um die Tiere nicht zu verängstigen. Doch die Tiere kommen näher und grasen nur zwei bis drei Meter neben uns in völliger Ruhe und Gelassenheit. Von Aggression keine Spur.

Ein respektvolles Verhalten wird immer wieder belohnt. Dann nach kurzer Zeit kommen weitere Bergziegen dazu. Auch zwei Jungtiere, die nur kleine Ansätze von Hörner haben. Alle Tiere grasen friedlich und jagen sich die Abhänge hinunter und wieder hoch, während im Hintergrund die Wolken durch die Berge ziehen. Alles wirkt so friedvoll. Angestrahlt werden die Ziegen von dem warmen Licht der untergehenden Sonne.

Wir sind so begeistert, dass wir mit dieser Lichtstimmung und den Tieren dort oben am Aussichtspunkt belohnt werden. Alles richtig gemacht, denken wir, und genießen weiter die schöne Stimmung mitten zwischen den Tieren.

Zurück zum Parkplatz

Vollkommen zufrieden lassen wir den Tieren ihren Platz dort oben am Sunrise Point und machen uns langsam und vorsichtig auf den Rückweg. Die Sonne ist mittlerweile hinter den Bergen verschwunden und es wird noch einmal deutlich kühler. Das stramme Wandern in Richtung Parkplatz lässt uns aber schnell wieder warm werden – auch, wenn wir noch einige Male anhalten, um diese Blicke einzufangen.

Ausblick an der Hurricane RidgeSonnenuntergang an der Hurricane RidgeSonnenuntergang an der Hurricane RidgeSonnenuntergang an der Hurricane Ridge

Wir sind zurück am Auto, schmieren uns noch zwei Bagels und schauen dem restlichen Sonnenlicht zu, wie es langsam und deutlich verschwindet. Es wird immer dunkler und die nächtliche Kälte nimmt schnell zu. Ein letztes Foto und dann geht es mit unserem warmen Auto zurück nach Port Angeles und ab in das Motel. Wir liegen noch eine Weile wach. So kann unsere Reise ruhig weitergehen!

Kannst Du dich auch so für tolle Landschaften begeistern und warst vllt sogar schon mal im Olympic Nationalpark? Berichte uns doch mal in den Kommentaren.

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