Mit Orcas kajaken, das muss ein riesengroßes Abenteuer sein. Nur wir, das Kajak und die Orcas. Total fasziniert davon, dass man solche Reiseabenteuer überhaupt buchen kann, haben wir uns für das Abenteuer auf Vancouver Island angemeldet. Anfang September sollte es dann endlich soweit sein. Das große Abenteuer Wildnis, ein Camp im Regenwald und natürlich mit Orcas kajaken, kann endlich beginnen. Über unsere Erlebnisse wollen wir dir in diesem Artikel erzählen.

Warum wir mit Orcas kajaken wollen

Wale und Orcas üben eine ganz besondere Begeisterung bei uns und wahrscheinlich auch bei dir aus. Sofort müssen wir an „Free Willy“ und an Orcas in Vergnügungsparks mit dieser typisch gekrümmten Rückenflosse denken. Für die Orcas bedeutet das ein Leben in Gefangenschaft, eingesperrt in einem Beton-Pool. Wie wunderschön muss es im Gegensatz dazu sein, diese anmutenden Tiere in Freiheit in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen. Wir verbinden Orcas und Wale mit einem starken Freiheitsgefühl. Vor unserer Reise haben wir viel über Orcas und vor allem einiges über Orcas in Gefangenschaft, wie zum Beispiel Corkys Geschichte gelesen. Die Geschichten der einzelnen Orcas ergreifen uns total und so wird der Wunsch, die Tiere zu beobachten, ohne sie zu stören, immer größer.

Man stelle sich doch nur einmal vor, nachts im Zelt zu liegen und den Geräuschen durch die Dunkelheit zu lauschen. Plötzlich hört man das Atmen der Buckelwale oder Orcas, wie sie ausatmen und die Luft zu einer Fontäne ausstossen.

So zumindest unsere Vorstellung. Dass die Realität dann ganz anders aussieht und wir drei Tage Regen und Sturm aushalten, das hatten wir uns nicht erhofft. Aber nun der Reihe nach…

Orcas stehen für uns für FreiheitOrcas in Gefangenschaft haben oft eine gekrümmte Rückenflosse

Die Anreise zum Orca Camp

Unser Abenteuer startet in Port McNeill, einer Kleinstadt im Norden von Vancouver Island. Genauer gesagt im Haida Way Motor Inn. Hier haben wir am Abend unserer Ankunft ein Briefing mit den anderen Teilnehmern und unseren beiden Guides. Schnell stellt sich heraus, dass die Gruppe hauptsächlich aus Deutschen besteht. Wir sind insgesamt vier deutsche Paare und ein kanadisches. Es scheinen alle ganz sympathisch zu sein und so gehen Tobi und ich voller Vorfreude auf die kommenden Tage noch etwas essen.

Am nächsten Morgen treffen wir uns früh am Hoteleingang. Die Wolken bedecken den Himmel und es sieht nach Regen aus. Noch denken wir uns nichts dabei. Unsere Gruppe und unser Gepäck wird mit einem Taxi zum Hafen gebracht. Weiter geht es mit dem Wassertaxi entlang der Meerenge, der Johnstone Strait. Links und rechts sehen wir die bewaldete Küste, dahinter erheben sich Hügel und Berge.

Nach einer Stunde Fahrt kommen wir am Camp an. Das Abladen unseres Gepäcks und des Proviants für unseren Aufenthalt muss schnell gehen. Das Wassertaxi kann aufgrund der Wellen nicht lange im niedrigen Wasser halten. Schnell bewältigen wir als Team diese Aufgabe und alle packen mit an.

Die Aussicht entlang der KüsteDas Gepäck steht schon am Strand

Das Orca Camp

Das Camp ist richtig schön angelegt. Perfekt um hier einige Tage zu verbringen. Es gibt eine große Camp-Kitchen mit Tischen und Bänken. Hier spielt sich an Regentagen alles ab und auch das Kajak-Equipment hängt hier. An den Wänden hängen Karten der Region mit den unzähligen kleinen Inseln.

Die Größe Vancouver Islands wird oft unterschätzt - es ist riesigKarten von Vancouver Island zieren die Camp-Kitchen

Von der Camp-Kitchen führt ein Pfad weiter in das Camp hinein. Wir kommen an Kompost-Toiletten und Duschen vorbei. Die aus Holz gebauten Duschen sind sehr großzügig und schön. Aufgrund des Wetters probiert sie jedoch nur einer aus unserer Gruppe aus. Alle anderen wollen ihre warmen Klamotten auf keinen Fall ausziehen.

Der Pfad schlängelt sich hinein in den Regenwald. Farne und andere Pflanzen wachsen dicht beieinander und wir haben das Gefühl, uns richtig im Dickicht zu befinden. Um zu den Zelten zu gelangen, geht es über ein paar Steine, die in einem kleinen Fluss liegen. Der Fluss hat Trinkwasserqualität und so können wir dort täglich unsere Trinkflaschen mit frischen Wasser auffüllen. Noch über eine kleine Brücke und dann sind wir bei den Zelten angelangt. Alle Zelte liegen auf einem Podest im Regenwald verteilt. Die Zelte bieten für uns zwei und unsere Rucksäcke genug Platz.

Bei Regen sind alle in der Camp-KitchenDie Camp-Kitchen von Ecosummer

Es ist zu stürmisch, wir können nicht kajaken

Nachdem sich nun alle eingefunden haben, sind wir gespannt, wann es auf das Wasser gehen kann. Schnell wird uns jedoch klar, dass die Wellen eher stärker als schwächer werden. Der Wellengang erscheint unseren erfahrenen Guides zu stark und so werden wir wohl heute nicht mehr mit Orcas kajaken. Das ist sehr schade. Aber so können wir den Strand am Camp ein wenig erkunden.

Überall liegt angeschwemmtes Holz und riesige Baumstämme. Als es anfängt zu regnen ziehen wir uns die Regenkapuzen etwas tiefer ins Gesicht, setzen uns auf einen der Stämme unter ein paar Bäumen und schauen den Wellen zu. Hier sitzen wir nun, weit entfernt vom nächsten Ort. Vor uns die Johnstone Strait, ein intakter Lebensraum für viele Meerestiere und hinter uns der Regenwald.

Unser Guide Jordan erzählt uns, dass hin und wieder eine Schwarzbär, der Jasper getauft wurde, den Strand vor dem Camp besucht. Bei den Zelten hat er sich bisher nie blicken lassen. Was wäre es toll, ihn aus sicherer Entfernung zu entdecken! Der Regen wird stärker und reißt uns aus unseren Gedanken. Es wird uns doch etwas zu nass und so ziehen wir uns in die Camp-Kitchen zurück.

Der restliche Tag im Camp

Damit wir den Nachmittag nicht ganz unnütz rum sitzen, probieren wir alle schon mal unsere Kajak-Ausrüstung an. Es gibt für jeden eine Schwimmweste, bei Bedarf eine Regenjacke für das Kajaken und einen Spritzschutz. Der Spritzschutz wird wie ein Rock getragen und anschließend, wenn man im Kajak sitzt, über die Luke gezogen. So kann kein Spritzwasser eindringen und ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass die Temperatur im Fußbereich angenehm bleibt.

Am restlichen Abend wird lecker und gesellig gegessen. Die Camp-Crew zaubert zu allen Tageszeiten wirklich leckeres Essen auf den Tisch! Auch wenn das Wetter sich nicht wirklich von seiner besten Seite zeigt, gehen wir nach dem Abendessen runter zum Strand und setzten uns alle ans Lagerfeuer. Das gehört einfach dazu! Es wird Nachtisch serviert und während es langsam dunkel wird, erzählen unsere Guides von Walen und Orcas. Die Abende am Lagerfeuer sind mit am schönsten! Als es zu kalt wird und wir müde werden, gehen wir um 21 Uhr ins Bett.

Gekocht wird immer ausreichend und ziemlich leckerEs gibt Essen!Hier draußen schmeckt das Essen besonders gut.

Endlich auf dem Wasser – werden wir mit Orcas kajaken?

Der zweite Tag beginnt mit der Ankündigung, dass wir heute Vormittag endlich kajaken können. Nach dem Frühstück werfen wir uns in unsere Kajak-Kleidung, ziehen Schwimmwesten an und tragen im Nieselregen die Kajaks zum Wasser. Als wir alle in unseren Doppel-Kajaks sitzen, paddeln wir die Küste entlang. Unsere Guides checken stetig den Whale-Channel per Walkie-Talkie und wissen daher ziemlich gut, wo sich die verschiedenen Orca-Gruppen aufhalten. Buckelwale können jedoch jederzeit und überall ganz plötzlich auftauchen. Obwohl wir alle wissen, dass die Orcas nicht in unmittelbarer Entfernung sind, sind wir alle gespannt, die Gegend vom Wasser aus zu entdecken.

Tobi und ich sitzen zum ersten Mal in einem Seekajak und kommen schnell gut zurecht. Jordan paddelt vorweg, dahinter unsere Gruppe und das Schlusslicht bildet unser Guide Steven mit unserer Köchin Heather. Wir halten ein paar Mal an und machen auf dem Wasser eine Pause. Es hat tatsächlich aufgehört zu nieseln und wir sehen einen Weißkopfseeadler, der über uns hinweg fliegt. Entlang der felsigen Küste halten wir Ausschau nach Seesternen und Seehunden. Mit den Seehunden haben wir Glück und entdecken zwei Tiere, die immer wieder an der Wasseroberfläche auftauchen.

Nach zwei Stunden kommen wir wieder an unserem Camp an und verbringen den restlichen Tag ähnlich wie gestern.

Die Seekajaks liegen wirklich sicher auf dem WasserAm zweiten Tag können wir einmal raus auf das WasserDer Himmel meistens ziemlich grauAbends wird dem Wetter getrotzt und am Lagerfeuer gesessenKurz vor unserer Abreise kommt die Sonne hervor

Wo sind die Wale?

Auch der zweite Tag geht ohne eine besondere Orca- oder Wal-Beobachtung zu Ende. Es ist wirklich schade und wir sind natürlich alle etwas betrübt darüber. Über den Whale-Channel bekommen wir mit, dass sich die Orcas nicht wirklich aus ihrer Bucht weg bewegen. Wir sind hin und her gerissen. Auf der einen Seite wollen wir die Hoffnung, Wale zu sehen, nicht aufgeben, auf der anderen Seite scheint uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es wird wieder stürmisch und so ist es selbst vom Strand aus schwierig, Tiere wie Seehunde oder Buckelwale an der Wasseroberfläche auszumachen. Es vergeht der Tag im Camp, ohne, dass wir ein Tier sehen.

An unserem letzen Tag – dem Abreisetag – haben wir dann doch noch etwas Glück. Als wir von unserem Wassertaxi abgeholt und wieder nach Port McNeill gebracht werden, bekommt unser Fahrer mit, dass sich in der Nähe eine Gruppe Orcas befindet. Er tut uns allen einen riesigen Gefallen und hält das kleine Boot an. Die Gruppe Orcas ist sehr weit weg, aber wir können dennoch ganz deutlich erkennen, dass es wirklich Orcas sind. Immer wieder tauchen die Rückenflossen auf. Es ist richtig schön! Nach ein paar Minuten müssen wir allerdings weiter zurück zum Hafen.

In der Ferne sehen wir eine Gruppe OrcasKurz können wir Halten und die Orcas eine Weile beobachtenAuch wenn sie weit weg sind, freuen wir unsEs gibt sie doch - die Orcas

Mal hat man Glück, mal hat man Pech – unser Fazit

Bevor wir uns für das Orca Camp angemeldet haben, haben wir uns bewusst gemacht, dass es keine Garantie für Walsichtungen gibt. Uns ist bewusst gewesen, dass wir uns in mitten großartiger Natur befinden werden und sich die Bewegung der Wale nicht beeinflussen lässt. Mit dieser Einstellung sind wir nach Vancouver Island gefahren. Zum Glück! Denn so war es natürlich trotzdem richtig schade und ja, wir waren auch etwas enttäuscht, aber die ganz große Frustration blieb aus. Trotz des stürmischen Wetters konnten wir dem Camp seinen ganz besonderen Reiz abgewinnen und haben die Erfahrung, dort draußen in der Natur zu sein, sehr genossen.

Besonders hervor heben möchten wir, dass sich unser Anbieter Ecosummer Expeditions nach unserem Trip mit uns in Verbindung gesetzt hat, da sie bereits von unserem Pech erfahren haben. Uns wurde angeboten, an einer Whale Watching Tour teilzunehmen, um noch einmal die Chance zu haben, Orcas zu beobachten. Wir haben dieses Angebot in Campbell River wahrgenommen. Auf dieser Tour haben wir leider wieder keine Orcas gesehen. Es scheint so, als ob es nicht sein sollte und wir wohl wieder kommen müssen. Und wir würden nichts lieber als das!

Packliste – Was solltest du mitnehmen?

Vor unserer Reise haben wir lange überlegt, was wir wirklich benötigen, um mit Orcas kajaken zu gehen. Jetzt, nach unserer Reise, sind wir schlauer und wissen, was sich bewährt hat und wirklich praktisch ist.

Wir wollen dir gerne helfen und haben eine Packliste mit Kleidung und Equipment zusammengestellt. Los geht’s:

  • Wassersandalen oder Neopren-Socken: beim Verlassen des Wassertaxis und auch beim Einsteigen ins Kajak bleibt es nicht aus, bis zur Wade im Wasser zu stehen. Auf dem steinigen Untergrund bewegt man sich sicherer, wenn man nicht barfuss unterwegs ist. Auch bei kühleren Temperaturen definitiv zu empfehlen.
  • Schuhe: bequeme Schuhe mit Profil für das Camp
  • Mütze und Cap
  • Sonnenbrille
  • Sport-Shirts: praktisch sind kurz und langärmelige Varianten aus schnell trocknendem Material
  • T-Shirts
  • Fleecejacke: für Frauen / für Männer
  • Longsleeve: ein wärmendes Oberteil welches Tag und Nacht warm hält. Für Frauen / für Männer
  • Regenjacke und -hose: die Jacke (Frauen / Männer) und Hose (Frauen / Männer) sollten nicht nur regenabweisend sein.
  • Isolationsjacke: Frauen / Männer
  • Shorts: Beim Einsteigen ins Kajak wird die Hose schnell etwas nass, daher ist es praktisch, wenn das Material schnell trocknet. Nach dem Kajaken wird die Shorts gegen eine trockene Hose ausgetauscht.
  • Hosen: Wir hatten im Camp Jeans an, werden diese jedoch nass, trocknen sie sehr langsam.
  • Wasserflasche mit Karabinerhaken: Mit dem Karabinerhaken kann die Flasche am Kajak befestigt werden.
  • Sonnencreme
  • Erste-Hilfe-Set und wichtige Medikamente
  • Hygiene-Artikel
  • Microfaser-Handtuch
  • Stirnlampe und extra Batterien
  • Drybag: Um die Kamera vor Spritzwasser zu schützen.
  • Fernglas
  • Getränke für das abendliche Lagerfeuer und persönliche Leckereien

Unser Tipp: Nimm unbedingt Kleidung mit, die du im Zwiebel-Prinzip anziehen kannst!

Info

Orca Camp: Ecosummer Expeditions

Essen gehen in Port McNeill: Northern Lights Restaurant

Anmerkung: Das Orca Camp haben wir selbst bezahlt.

Extra Tipp: Übrigens, wenn Du mal bequem von zu Hause Orcas beobachten möchtest, schau doch mal bei diesem Live-Stream vorbei.

Erzähle uns doch mal in den Kommentaren, ob du auch schon mal das große Glück hattest, Wale zu beobachten oder ob das Erlebnis noch auf deiner Bucket List steht!

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