Stell dir vor, du bist umgeben von fast 1.600 m hohen Bergen, die vor hundert Millionen Jahren durch Magma geformt wurden, mitten in der Natur, ohne Strom, ohne fließendes Wasser und ohne Tankstelle oder Supermärkte – nur Du und ein atemberaubender Blick in die Natur. Mit Lagerfeuer bei Sonnenuntergang und einem unvergesslich klaren Sternenhimmel mitten im Nichts. Genau das kannst Du bei der Spitzkoppe erleben. Und als wir gehört haben, dass man bei der Spitzkoppe Camping machen kann, haben wir nicht lange gezögert und uns auf den Weg gemacht.

Die Spitzkoppe ist ein Berg rund 150 Kilometer (ca. 1,5 Stunden) von Swakopmund entfernt und wird auch als das Matterhorn Namibias bezeichnet. Während der Hauptgipfel 1584 m hoch ist, befinden sich direkt daneben noch die Kleine Spitzkoppe (1557m) und die Schwarze Spitzkoppe (1178). Das Besondere ist, dass die Spitzkoppe durch eine sogenannte Intrusion entstanden ist. Magma, das nie die Erdoberfläche erreichte, formte die Gesteinsformationen. Erst Millionen Jahre später verwitterte das darüber liegende Gestein, sodass ausschließlich das witterungsbeständige, 100 Millionen Jahre alte Granit übrig geblieben ist. Heute ist die Spitzkoppe einfach nur eine total schöne Landschaft mitten im Nichts.

Wenn Du bei der Spitzkoppe angekommen bist, kannst Du die Rezeption gar nicht verpassen. Du meldest dich dort an, zahlst für die Übernachtungen und nimmst bei Bedarf noch Feuerholz mit – das gibt es praktischerweise auch dort. Das Spitzkoppe Restcamp bietet so einige Stellplätze, weshalb die Karte des Geländes, die wir mitbekommen, schon wirklich hilfreich ist. Aber keine Sorge: Die möglichen Plätze liegen so weit auseinander und sind teilweise auch durch Ausläufers des Berges getrennt, dass man die schöne Natur fast für sich genießen kann. Du kannst einfach auf dem Gelände rumfahren und dir einen schönen Platz aussuchen. Wir haben aber einen heißen Tipp für dich…

Wahl des perfekten Platzes

Welcher Platz für dich perfekt ist, kommt natürlich darauf an, was dir wichtig ist. Uns ist es besonders wichtig, dass wir abends einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang haben. Diesen wollen wir genießen, wenn nach dem Grillen das Lagerfeuer noch schön herunterbrennt. Als wir jedoch ankommen, steht die Sonne so ziemlich direkt über uns und wirft einen senkrechten Schatten auf den Boden. Wir haben kaum Orientierung, können nur ungefähr erahnen, wo die Sonne wohl untergehen wird. Wir wollen es aber genau wissen, denn wie traurig wäre es, wenn unser schönes Feuer herunterbrennt, wir uns noch ein Bier geöffnet haben und dann die Sonne irgendwo hinter dem Berg einen tollen Sonnenuntergang zaubert.

Sonnenuntergang am Spitzkoppe CampingSpitzkoppe Camping bei Sonnenuntergang

Glücklicherweise habe ich mal den Tipp bekommen, dass die App Sun Surveyor bei einem solchen Fall einen guten Job macht. Die App sorgt dafür, dass man genau die Stelle am Horizont findet, wo die Sonne untergehen wird. Dafür projiziert sie den Sonnenverlauf auf das Bild der Smartphone-Kamera. Ziemlich praktisch. Ich bin immer wieder froh, dass ich die App dabei habe, sonst hätte ich wohl die eine oder andere Timelapse-Aufnahme verhauen 🙂

Nachdem wir also nun herausgefunden haben, dass wir intuitiv schon gar nicht mal verkehrt stehen, entscheiden wir uns am Ende für Platz 10B. Von hier aus hast Du den perfekten Blick auf die Kleine Spitzkoppe, wo die Sonne in der vollen afrikanischen Sonnenuntergangsschönheit zu sehen sein wird. Zwischen dem Platz und der Kleinen Spitzkoppe ist nur noch Natur. Wir stellen also unseren Toyota Hilux ab und bauen erst einmal das Dachzelt auf – was man hat, hat man.

Spitzkoppe Camping Platzkarte

Ausstattung beim Spitzkoppe Camping

Wir sind nun ganz froh, dass wir einen so schönen Platz bekommen haben. Wir haben wirklich Glück, denn in der Nebensaison ist bei der Spitzkoppe nicht viel los, denn die Namibia Regenzeit ist nicht für jeden was. Wir freuen uns, dass wir diese einmalige Natur mit nur wenigen anderen Menschen genießen können, die wir weit von uns entfernt entdecken können.

Wir schauen uns also erst einmal um. Beinahe jeder Platz liegt für sich gesehen schön geschützt in einer Nische. Entweder es wachsen Bäume dazwischen oder es liegen sogar ziemlich große Felsbrocken zwischen zwei Plätzen. Uns fällt direkt auf, dass wohl trotz Vandalismus noch einige Felsenmalereien der San vorhanden sind. Die San sind ein Volk im südlichen Afrika, die ursprünglich als reine Jäger und Sammler gelebt haben. Zu dieser Zeit ist es extrem wichtig gewesen, dass beispielsweise Sichtungen von Beutetieren, aber auch von gefährlichen Tieren, an den jeweiligen Orten vermerkt wurden. Damit schafften es die San, immer wieder Beute zu machen und nicht selbst zur Beute zu werden. Noch heute, nach knapp 1.000 bis 2.000 Jahren, sind diese Vermerke in roter Schrift an den Felsen zu erkennen. Leider wurden viele der Zeichnungen durch Vandalismus beschädigt. Wer aber die Augen offen hält, kann dennoch auch heute noch welche finden.

Spitzkoppe: Das Dachzelt stehtWas für eine Natur am Spitzkoppe Camping

Auf dem Gelände sind relativ unregelmäßig immer weider Plumpsklos zu finden. Aufgrund der wirklich großen Distanzen auf dem Gelände konnten die Plätze nicht mit einem Frisch- und Abwassersystem versorgt werden. Das finden wir aber auch ganz gut so. Schließlich wollen wir die Natur genießen und das geht auch ganz gut mal ohne fließend Wasser und richtiger Toilette. Wer jedoch nicht darauf verzichten kann, findet direkt am Eingang vom Spitzkoppe Camping ein kleines Toilettenhaus und eine Open-Air-Dusche mit vier Duschen, um zu duschen. Da sich die Wärme ganz schön zwischen den Steinen stauen kann, haben wir die Dusche doch schon schätzen gelernt. Und das Duschen unter freiem Himmel ist auch was ganz besonderes, was man nicht alle Tage hat!

Die Plätze selbst sind alle mit einer Feuerstelle ausgestattet. Wenn Du einen Rost dabei hast (haben die meisten Camper mit an Bord), dann kannst Du dir auch direkt dein Essen über dem Feuer zubereiten und später noch das Lagerfeuer genießen. Falls Du nicht genügend Feuerholz dabei haben solltest, kannst Du vorne an der Rezeption Säcke mit Feuerholz kaufen.

Feuer am Spitzkoppe CampingSchöne Landschaft an der Spitzkoppe

Da es beim Spitzkoppe Camping keinen Supermarkt gibt, solltest Du auf jeden Fall genügend Vorräte einpacken. Es gibt dort wirklich gar nichts. Nicht mal einen kleinen Shop. Denk also vor allem an genug Wasser, wenn Du dich auf den Weg zur Spitzkoppe machst. Apropos Weg: Tanke auch kräftig auf. Eine Tankstelle gibt es dort auch nicht. Was es aber gibt ist ein Restaurant. Wir waren nicht dort und können dir leider nicht sagen, wie es dort ist.

Alles in allem ist die Ausstattung Basic, aber reicht für Naturliebhaber vollkommen aus. Wir haben weder das Frischwasser vermisst (man kann sich ja auch mal mit Wasser aus dem Kanister die Hände waschen, denn Seife gibt es sowieso kaum irgendwo) noch war es ein Problem mal nach vorne zu der Dusche zu fahren. Im Gegenteil: Wir konnten uns durch die Einfachheit vollkommen auf die Natur einlassen und dieses wirklich schöne Stück der Erde genießen.

Wir genießen noch den letzten Abend am Spitzkoppe Camping

Wir genießen die Zeit am Spitzkoppe Camping in vollen Zügen. Die Ruhe, die Natur, die unglaubliche Stille. Nachdem wir gegessen haben, glimmt das Lagerfeuer noch, während sich der Himmel immer weiter verfärbt. Der Horizont ist nun glutrot. Wir hören immer mehr Insekten, die nun heraus kommen. So langsam sehen wir Sterne, die immer klarer am Himmel zu sehen sind – denn die nächste Stadt ist weit weg. Wir haben Vollmond und das macht die Landschaft noch einmal viel faszinierender. Alles scheint erleuchtet, sogar die Spitzkoppe, die man deutlich erkennen kann. Die Luft wird kühler und wir genießen noch den letzten Moment, bevor wir – nur getrennt von einer dünnen Zeltplane – mitten in dieser tollen Natur unseren Schlaf finden.

Abends an der SpitzkoppeNachthimmel am Spitzkoppe Camping

Kosten

Stand heute musst Du beim Spitzkoppe Camping mit 165 NAD pro Person und Tag rechnen. Kinder bis 12 Jahre zahlen 110 NAD pro Person und Tag. Falls Du nicht übernachten möchtest, kannst Du auch als Day Visitor die Spitzkoppe erklimmen. Dann zahlst Du 55 NAD pro Person und 76 NAD für das Auto. Wir haben also für unsere zwei Übernachtungen insgesamt 660 NAD bezahlt, was ungefähr 45 Euro entspricht. Ein wirklich gut angelegtes Geld für diese atemberaubende Landschaft!

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