Die Blue Mountains haben etwas besonders magisches, denn es wimmelt nur so von Eukalyptus-Bäumen, Wasserfällen und tollen Wanderwegen. Wir entscheiden uns, zu den Wentworth Falls zu fahren, um dort mitten in dieser Natur ein wenig zu wandern. Wir werden extrem blaues Licht, einen Pool direkt am Wasserfall sowie ein weitläufiges Tal direkt vor dem Sandstein der Blue Mountains sehen. Aber von vorne…

Blue Mountains und das blaue Licht

Die „Blauen Berge“ im Bundesstaat New South Wales, die circa 60 Km westlich von Sydney liegen, sind Teil des Weltnaturerbes der UNESCO. Nicht zuletzt, da die Artenvielfalt der Eukalyptusbäume in diesem Gebiet besonders groß ist.

Der Name Blue Mountains passt hier perfekt, denn das „Blue“ ist nicht so einfach dahin gesagt. Tatsächlich ist das Licht ziemlich blau, gerade, wenn die Sonne auf das Tal scheint. Der Grund liegt darin, dass über die Blätter der Eukalyptusbäume ätherischen Öle verdunstet werden, die dann wie ein feiner Nebel zwischen den Bergen liegen. Durch die Einstrahlung der Sonne bricht das Licht zu dieser besonders blauen Farben, die dem teilweise 1.000 Meter hohem Sandstein-Plateau ihren Namen gibt.

Barbecue an den Wentworth Falls

Wir freuen uns schon, die Blue Mountains und das besonders blaue Licht zu sehen. Vielleicht auch ein bisschen auf Abkühlung, denn in Sydney ist mit über 40 Grad gerade die heißeste Zeit seit Aufzeichnung. Wir sind froh, dass wir noch nicht nach Sydney fahren und hoffentlich erstmal etwas kühlere Luft in den Bergen genießen können. Außerdem freuen wir uns, wieder in die Natur zu kommen.

Wir müssen aus der Richtung von New Castle an Sydney vorbei in Richtung Blue Mountains fahren. Daher machen wir uns früh auf den Weg, um dem Verkehrschaos rund um Sydney zuvor zu kommen. Wir fahren auf die M1, dann über die M2/M7 und weiter die A32 in Richtung Blue Mountains. Laut Navi soll die Fahrt ca. 2,5 Stunden dauern.

Als wir nun von der M7 in Richtung Blue Mountains fahren, dachten wir noch, dass wir nun wieder mitten in die Natur kommen. Aber im Gegenteil: Es führt eine vielbefahrene Straße direkt zu den Wentworth Falls – man könnte sagen, eine Schnellstraße. Wir schieben uns also mit all den anderen Autos die Straße entlang, bis wir irgendwann ankommen. Bei den Falls ist es dann aber verhältnismäßig ruhiger.

Wir entdecken die für Australien typischen Barbecue-Stationen, die kostenlos genutzt werden können. Man kann sie sich so vorstellen, dass eine ziemlich große Edelstahl-Platte durch Gas angeheizt wird, das man per Knopfdruck starten kann. Es dauert dann etwas und schon kann es losgehen. Ziemlich praktisch, denn diese Grills stehen fast an jedem größeren Parkplatz und auch auf Campingplätzen. Wir empfehlen, keinen Grill für Australien zu kaufen, denn man kann wirklich überall grillen. Wir packen also erstmal alles zum Grillen aus. Heute gibt es Süßkartoffeln und Gemüse vom Grill.

Wandern auf dem Wentworth Falls Track

Nachdem wir also aufgegessen haben, geht es los in Richtung Wentworth Falls. Wir entscheiden uns für den 1,4 Km „Wentworth Falls Track“, der mit ungefähr 45min angegeben wird. Es ist immer noch sehr heiß, weshalb wir es heute mal seicht angehen lassen wollen. Wobei „seicht“ auch am Ende nicht „seicht“ ist, denn der Track startet damit, dass wir rund 200 Treppenstufen bergab steigen müssen.

Princess Rock Lookout

Wir entscheiden uns, erst einmal eine andere Abzweigung zu nehmen und zum ausgeschilderten Princess Rock Lookout zu wandern. Von dort aus soll man einen tollen Blick über die Landschaft der Blue Mountains haben, sowie einen atemberaubenden Blick auf die Wentworth Falls. Es geht also einige Meter in Serpentinen bergab, bis wir schlussendlich am Princess Rock Lookout ankommen.

Blue Mountains: Wentworth FallsBlue Mountains: Wentworth Falls

Die Landschaft ist wirklich toll. Während wir unseren Blick schweifen lassen, entdecken wir in der Ferne viele weiße Vögel. Wir fragen uns, was das für Vögel sind, während sie langsam in unsere Richtung fliegen. Je näher sie kommen, desto besser erkennen wir, dass neben den weißen Federn auch gelbe Federn zu erkennen sind. Es sind Kakadus! Eine ganze Gruppe von Kakadus! Mit entsprechenden Tam-Tam fliegen die kleinen Schreischrate an uns vorbei. Wir können ihnen noch lange hinterher schauen, bis wir uns entscheiden, die 200 Treppenstufen in Angriff zu nehmen.

Fletchers Lookout

Wir steigen nun also die angekündigten 200 Treppenstufen bergab, um zum Fletchers Lookout zu gelangen. Wir haben nicht mitgezählt, aber unsere Waden bestätigen uns unten, dass es mindestens 200 Stufen waren. Aber der Weg lohnt sich, denn von dort unten haben wir einen wunderschönen Blick auf die riesigen Wentworth Falls, die sich ihren Weg durch den Sandstein erarbeitet haben.

Blue Mountains: Wentworth Falls mit Geländer

Das Wasser fließt mächtig durch die Steine, während ein Nebel voller Eukalyptus in der Luft liegt. Das Tal ist blau gefärbt und wir spüren förmlich die Abkühlung des Wasserfalls, obwohl wir nicht mal einen Tropfen abbekommen haben.

Undercliff Walk

Weiter geht es rund 100 Meter zum tiefsten Punkt des Tracks, der wiederum der Start des Wasserfalls ist. Große Steine führen über den reißenden Fluss „Jamison Creek“, der zum Wasserfall wird. Nur getrennt von einem Geländer, kann man dem Jamison Creek zuschauen, wie er sich in die Tiefe stürzt. Es ist wahnsinnig laut. Schließlich schießt auch jede Menge Wasser dort in den Abgrund.

Blue Mountains: Wentworth Falls mit Natur-Pool

Auf der anderen Seite ist noch ein kleiner Wasserfall zu sehen, der in ein kleines „Becken“ fließt, das aussieht, wie ein großer Natur-Pool. Tatsächlich baden dort auch ein paar Leute, um sich von den immer hoch heftigen Temperaturen zu erholen. Aber alleine die Luft fühlt sich schon so kühl an, obwohl die Temperaturen immer noch über 40 Grad messen. Wir genießen die gefühlte Abkühlung und den Ausblick!

National Pass Walking Track

Bevor wir langsam den Rückweg antreten, wollen wir es uns nicht nehmen lassen, noch ein Stück des „National Pass“ zu wandern. Wir erhoffen uns, noch einen Blick in das Tal auf Seiten des Wasserfalls zu erhaschen. Und es hat sich gelohnt! Der Blick ist atemberaubend. Wir können es immer noch nicht glauben, dass wir hier im Nebel von ätherischen Ölen der Eukalyptus-Bäume stehen. Irgendwie fasziniert uns das sehr.

Nun geht es aber zurück zum Auto, denn unser Wasservorrat neigt sich langsam dem Ende und der Weg über die 200 Stufen hoch zum Auto wird bei den Temperaturen noch anstrengend genug sein. Als wir also noch die letzten Treppenstufen nehmen, grinsen wir beide und freuen uns, dass wir uns gleich ein kühles Getränk aus der Kühlbox nehmen können. Aber dazu kommt es erstmal nicht…

Machs gut, Opossum

Während wir auf der Straße entlang zum Auto laufen, sehen wir plötzlich ein Tier am Straßenrand mit eine Traube von Menschen, die Fotos machen. Es ist ein Opossum! Wow. Wir nähern uns langsam, bis uns klar wird: Das Tier ist verletzt, weshalb es auch nicht flüchtet. Oben im Baum sehen wir ein Baby, das nach unten zu seiner Mama schaut. Langsam reimt sich für uns die Geschichte zusammen: Die Mutter scheint auf einem Ast abgerutscht zu sein und ist wohl in die Tiefe gefallen. Sie versucht sich mehrfach vergebens zu bewegen und wieder aufzustehen, aber schafft es einfach nicht.

Während viele Schaulustige ihre Fotos im Kasten haben und zufrieden weitergehen, können wir es kaum fassen. Wir treffen ein Mädchen, das ebenfalls entgeistert dort steht. Wir erinnern uns, dass wir immer Schilder gesehen haben „Wildlife Injured?“ Call …“. Das Mädchen hat eine australische Sim-Karte und glücklicherweise auch Empfang. Sie ruft dort also an und berichtet von dem verletzen Tier sowie dem Baby im Baum. Die Organisation am anderen Ende der Leitung scheint die Rettungsaktion aber nicht so wichtig zu finden. Sie sagen, dass irgendwann mal ein Praktikant vorbei kommen kann, was sie aber auch nicht versprechen können. Die Diskussion am Telefon geht mehrmals hin und her, bis sie schließlich auflegt.

Wir entscheiden uns das Muttertier selbst zu einem Tierarzt zu bringen, wieso auch nicht? Wir gehen also zum Auto, holen eine Kehrschaufel sowie einen Eimer, um das Opossum transportfähig zu machen. Als wir zurückkehren bleiben wir alle stehen. Uns wird schnell bewusst: sie hat es leider nicht geschafft. Wir können keine Regung mehr sehen. Neben der äußeren Verletzung scheint sie wohl auch innerliche Verletzungen zu haben. Nach einer Berührung ist klar, sie ist leider verstorben. Das berührt uns so, denn wir waren fest entschlossen, dass wir ihr jetzt helfen und dann alles wieder gut wird. Wir schauen nach oben und sehen das Baby. Es sitzt zu hoch, wir haben keine Chance wenigstens dem Baby zu helfen. Wir halten eine Weile inne. Der Mutter konnten wir nicht helfen und dem Baby nun leider ebenfalls nicht. Machs gut, kleines Opossum, sei stark!

Auch wenn uns die Geschichte mit den Opossums noch lange nachhängt, haben wir einen wunderschönen Wasserfall gesehen. Warst Du schon mal bei den Wentworth Falls oder planst einen Trip in die Blue Mountains? Erzähl uns davon in den Kommentaren.

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