Über uns ergibt sich ein endloser Sternenhimmel. In dieser Nacht ist Vollmond und erhellt die Umgebung so sehr, dass wir unsere Hand vor Augen deutlich erkennen. Der Mond scheint so hell, dass sogar die Bäume Schatten werfen. Noch nie haben wir so etwas gesehen. Der Vollmond in Afrika fasziniert uns. Und plötzlich sagt einer von uns: „Jetzt sind perfekte Bedingungen für Wilderer.“

Eine andere Nacht, ein anderer Ort. Wir liegen bereits seit Stunden im Dachzelt und schlafen. Wir sind wach geworden, weil in der Ferne ein lautes Rumpeln durch die Nacht bricht. Das Geräusch eines Fahrzeugs, welches über die sandigen Pisten fährt, kommt immer näher. Gebannt lauschen wir dem Geräusch. Als es an unserem Camp vorbei fährt, werden die Büsche vom Scheinwerferlicht kurz hell erleuchtet. Das Rumpeln wird wieder leiser und verschwindet in der Nacht. Draußen, vor dem Zelt scheint sich nichts zu rühren. Ein Schauer läuft uns über den Rücken, ehe wir wieder einschlafen.

Am nächsten Morgen fragen wir nach. Was war das für ein Fahrzeug? Von einem Angestellten des Camps erfahren wir, dass es sich um ein Fahrzeug der Anti-Wilderei-Einheit gehandelt hat. In Botswana sind die Wildhüter angehalten, Wilderer ohne weiteres zu erschießen. Auf unserer Reise durch Botswana sehen wir nahe der Grenze zu Namibia noch ein paar Mal Anti-Poaching-Einheiten mit ihren Fahrzeugen.

Seit unseren Reisen nach Namibia und Botswana, ist die Wilderei verstärkt in unseren Fokus gerutscht. Die Eindrücke, die wir von dort mit zurück gebracht haben, haben uns ein neues Gefühl von der Unzugänglichkeit und der Größe der Wildnisgebiete gegeben. In Namibia und Botswana sind wir in Regionen unterwegs gewesen, die unendlich weit und einsam gewesen sind. Wie schwierig muss es dort sein, die Spur der Wilderer aufzunehmen? Wie verdammt schwer ist es, Wildtiere dort draußen zu schützen?

Nashörner in Freiheit

Auf unserer Namibia Reise haben wir mehrmals das Glück gehabt, Nashörner in Freiheit zu begegnen. Teilweise kommen wir den Tieren, die aussehen als stammen sie aus einer anderen Zeit, sehr nah. Wir haben Nashörner im Etosha Nationalpark und in einem privaten Schutzgebiet beobachten können.

Es ist unheimlich beeindruckend, diese Tiere zu beobachten. Sie sind so viel größer, als wir gedacht hätten und mit ihren kleinen Augen wirken sie so gegensätzlich: stark und friedlich zugleich.

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Sogar ein Jungtier können wir mit seiner Mutter beobachten. Das Junge hat bereits ein kleines Horn, welches sich über seinem Maul abzeichnet. Und genau wegen diesem Horn werden Nashörner gewildert. So stark, dass die beiden permanent von Wildhütern begleitet werden. Wir sehen die Wildhüter nicht. Für uns bleibt die Schutzgruppe unsichtbar im Busch.

Nashorn Wilderei 02

Nashorn Wilderei

Aufgrund der extrem hohen Nachfrage am Rhino-Horn, wurden im Jahr 2018 schätzungsweise 769 Nashörner gewildert. Die meisten Tiere davon in Südafrika, denn dort lebt die weltweit größte Population. Aber auch in den Ländern Namibia und Simbabwe wird derzeit verstärkt gewildert.

Seit 2007 hat die Wilderei in Afrika wieder deutlich zugenommen. Die Rekordzahl der gewilderten Tiere in den letzten Jahren wurde 2014 mit 1.215 getöteten Nashörnern erreicht. Eine traurige und erschreckende Zahl zugleich, denn mittlerweile ist die Anzahl der gewilderten Tiere höher, als die der Geburtenrate.

Fährtenleser spüren die Tiere im weitläufigen Busch auf und geben den Standort an Schützen weiter. Durch Korruption in allen Bereichen der Handelskette, ist es möglich, das Horn ins Zielland zu bringen.

Anzahl der gewilderten Nashörner von 2014 bis 2018 im südlichen Afrika (Quelle: WWF):

  • 2014 = 1.215 getötete Rhinos
  • 2015 = 1.175 getötete Rhinos
  • 2016 = 1.054 getötete Rhinos
  • 2017 = 1.028 getötete Rhinos
  • 2018 = 769 getötete Rhinos

Diese hohen Zahlen führen dazu, dass nicht selten stark bewaffnete und speziell ausgebildete Wildhüter in den Parks patrouillieren. Stark bewaffnet, um der Skrupellosigkeit der Wilderer etwas entgegensetzten zu können und die Nashörner, sowie das eigene Leben, zu schützen.

Warum wird gewildert?

In der traditionellen Medizin im asiatischen Raum wird dem Rhino-Horn eine heilende Wirkung nachgesagt. Das Horn des Rhinozeros besteht größtenteils aus Keratin und kann am ehesten mit einer Feder oder Fingernägeln verglichen werden. Bisher gibt es keine wissenschaftliche Studie, die nachweist, dass es eine heilende Wirkung gibt. Und dennoch, im Vietnam, wohin derzeit das meiste Horn gehandelt wird, werden Krebserkrankungen mit dem Rhino-Horn behandelt. In der traditionellen Medizin wird es außerdem als fiebersenkendes und krampflösendes Heilmittel eingesetzt.

Das meiste Horn gelangt auf Schmuggelrouten in den Vietnam und China. Dort wird es nicht nur als Heilmittel gehandelt, sondern auch als Luxusobjekt. Auf dem Schwarzmarkt wird für Horn doppelt so viel wie für Gold gezahlt. Die extrem starke Nachfrage treibt den Preis in die Höhe und damit auch die Skrupellosigkeit, mit der gewildert wird.

Ein Nashorn gibt der Wilderei ein Gesicht

Schätzungsweise alle 8 Stunden wird ein Rhino in Afrika angegriffen. Sobald dem Tier das Horn entfernt worden ist, wird es seinem qualvollem Schicksal überlassen. So passierte es auch Hope, einem jungen Nashorn-Weibchen aus Südafrika. Ein riesiges Loch klaffte über ihrem Maul bis zur Stirn. Ein Teil des Mauls wurde weggeschlagen, die Nebenhöhlen lagen offen.

Doch Hope überlebte den grausamen Angriff. Es ist unglaublich, denn sie wanderte mehrere Tage schwer verletzt durch den Busch, ehe sie von Rangern gefunden wurde.

Ein Team von Helfern und Tierärzten von „Saving the Survivors“ versuchte alles, um Hope zu helfen. Mehrere Operationen musste das Nashorn über sich ergehen lassen, mit dem Ziel, die riesige Wunde im Gesicht wieder zu schließen. Kein leichter Weg für Hope, doch dieses Nashorn hatte bereits seinen starken Lebenswillen gezeigt und wird so zur Symbolfigur im Kampf gegen die brutale Wilderei.

Mit verschiedenen Techniken wurde eine Abdeckung in Form eines Schildes über der Wunde befestigt. Dort, wo die Knochenstruktur intakt war, wurde das Schild mittels Schrauben befestigt. Wo es keinen Knochen gab, wurden Bindungstechniken verwendet. Die Tierärzte probierten sich an Methoden modernster Chirurgie für den Menschen, waren erfolgreich und lernten dazu. Da bislang wenig über die Anatomie des Nashorn-Schädels bekannt war, bedeutete das für die Veterinäre: das Unmögliche möglich machen.

Es schien zu gelingen, die Zuversicht, dass Hope es schafft und eines Tages zurück in die Wildnis entlassen werden kann, wuchs.

Die traurige Nachricht erfolgte dann leider im November 2016. Hope wurde tot in ihrem Gehege gefunden. Grund für ihren Tod war vermutlich eine bakterielle Infektion des Dünndarms.

Die Opfer der Wilderei retten

Neben mehreren Organisationen, die für den Schutz von Nashörnern kämpfen, setzt sich Saving the Survivors für die Behandlung von schwer verletzten Wildtieren ein. Da besonders Nashörner mit schweren Verletzungen gefunden werden, liegt der Fokus der Arbeit bei diesen Tieren. Ziel ist es, den verletzen Wildtieren die bestmögliche Behandlungsmethode zu gewähren, und so die Überlebenschancen zu erhöhen. Wir finden die Arbeit des Teams großartig und sie verdient großen Respekt.

Wenn Du dich über die Arbeit von Saving the Survivors informieren möchtest oder Du die Opfer der Wilderei mit einer Spende unterstützen möchtest, kannst Du das hier tun.

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